LIEFERKETTE

Grundlagen der Lieferkette

In diesem Artikel

1. Was ist eine Lieferkette?2. Drei zentrale Waren- und Informationsflüsse3. Transport als Teil des Systems4. Transportkosten und Gesamtkosten der Lieferkette5. Bestands- und Lieferplanung6. Die Rolle des Lagers7. Risiko und Versorgungssicherheit8. Kennzahlen zur Leistungsbewertung9. Zusammenfassung

Was ist eine Lieferkette?

Eine Lieferkette ist ein System miteinander verbundener Prozesse, Beteiligter und Flüsse. Ihr gemeinsames Ziel besteht darin, ein Produkt oder Material am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge zu vertretbaren Gesamtkosten verfügbar zu machen.

Sie beschränkt sich nicht auf den Transport. Sie umfasst die Beschaffung von Rohstoffen, Bedarfsplanung, Produktion, Lagerung, Kommissionierung, Transport, Zustellung an den Kunden, Retourenabwicklung sowie den Fluss von Informationen und Dokumenten. Transport ist ein Bestandteil dieses Systems, funktioniert jedoch nicht ohne die Vorbereitung der übrigen Schritte.

Eine gut geplante Lieferkette soll Warenverfügbarkeit, planbare Abläufe und Kontrolle der Gesamtkosten gewährleisten.

In umfangreicheren Modellen wirken außerdem Logistikdienstleister, Speditionen, Umschlagterminals, Distributionszentren, Transportsubunternehmer, IT-Systeme und Partner für Retouren mit. Eine Verzögerung beim Lieferanten, fehlender Lagerplatz, unvollständige Ladungsdaten oder eine fehlerhafte Avisierung können die folgenden Schritte beeinträchtigen. Deshalb darf ein einzelner Abschnitt nicht losgelöst vom Gesamtsystem bewertet werden.

Drei zentrale Waren- und Informationsflüsse

Eine Lieferkette beruht auf drei parallelen Flüssen: dem physischen, dem Informations- und dem Finanzfluss.

Physischer Fluss

Er umfasst die Bewegung von Rohstoffen, Halbfabrikaten, Fertigwaren, Verpackungen, Paletten, Ersatzteilen und Retouren. Dazu gehören Transport, Lagerung, Umschlag, Kommissionierung, Verpackung und Zustellung.

Informationsfluss

Er umfasst Bestellungen, Verkaufsprognosen, Lagerbestände, Avisierungen, Transportdokumente, Abliefernachweise, Hinweise auf Verzögerungen und Reklamationen. Die Qualität der Daten entscheidet oft darüber, ob eine Lieferung planmäßig durchgeführt werden kann.

Finanzfluss

Er umfasst Einkaufspreise, Transport- und Lagerkosten, Forderungen, Zahlungsziele sowie Kapital, das in Beständen und Anlagevermögen gebunden ist. Ein niedrigerer Frachtsatz kann Kosten an anderer Stelle des Prozesses erhöhen.

Transport als Teil des Systems

Transport ist einer der sichtbarsten Teile der Lieferkette, sein Ergebnis hängt jedoch von Entscheidungen ab, die vorher getroffen wurden. Ein Frachtführer kann eine Lieferung nicht korrekt ausführen, wenn die Ware nicht vorbereitet ist, die Dokumente fehlerhaft sind, das Ladungsgewicht unbekannt ist oder der Empfänger keine Entladung ermöglichen kann.

Die Wahl der Transportart sollte auf Daten zur Ladung und zum Lieferort beruhen und nicht allein auf der Verfügbarkeit eines bestimmten Fahrzeugs.

Für größere Mengen kann ein Komplettladungsverkehr sinnvoll sein. Für kleinere Mengen sind Teilpartien oder Stückguttransporte häufig vorteilhafter. Die Entscheidung sollte aus der Analyse des gesamten Prozesses folgen.

Transportkosten und Gesamtkosten der Lieferkette

Transportkosten lassen sich auf zwei Ebenen betrachten. Die erste Ebene ist die reine Beförderung: der Frachtsatz bei externen Dienstleistern oder die Kosten der Fahrzeugnutzung bei einer eigenen Flotte.

Zu den Kosten einer eigenen Flotte zählen unter anderem Kraftstoff, Maut, Fahrerentgelt, Abschreibung, Wartung und Reparaturen, Versicherungen sowie das Kapital für Anschaffung und Unterhaltung des Fahrzeugs. Ein Teil dieser Kosten entsteht auch dann, wenn ein Fahrzeug auf die Beladung wartet, am Lager steht, auf die Entladung wartet oder leer zurückfährt.

Die zweite Ebene sind die Gesamtkosten einer Lieferung. Frachtrate oder Kilometerkosten allein zeigen nicht das gesamte Bild.

Der günstigste Frachtführer ist nicht immer die beste Lösung. Ein höherer Preis kann die Gesamtkosten senken, wenn er zu besserer Termintreue, weniger Schäden, klarerer Kommunikation und geringerem Störungsrisiko führt.

Bestands- und Lieferplanung

Bestände schützen ein Unternehmen vor Lieferverzögerungen, Nachfrageschwankungen, Ausfällen, Produktionsproblemen und Prognosefehlern. Gleichzeitig benötigen sie Fläche, Bearbeitung, Kontrolle, Schutz und Finanzierung. Außerdem besteht das Risiko von Schäden, Veralterung, Wertverlust oder eingeschränkter Verkaufsfähigkeit.

Ziel der Planung ist nicht die größtmögliche Bestandsmenge. Ziel ist Verfügbarkeit bei einem vernünftigen Kostenniveau.

Mindestbestand
der niedrigste Bestand, der bis zur nächsten Lieferung die Aufrechterhaltung der Tätigkeit ermöglicht
Sicherheitsbestand
eine zusätzliche Warenmenge für Lieferverzögerungen, Nachfragesteigerungen oder Prognosefehler
Meldebestand
die Bestandsmenge, bei der eine neue Bestellung ausgelöst werden muss, damit die Ware vor Verbrauch des aktuellen Bestands eintrifft
Liefermenge
die auf einmal gelieferte Warenmenge; eine größere Partie kann die Transportkosten je Einheit senken, erhöht aber meist die Lagerkosten
Lieferhäufigkeit
die Anzahl der Lieferungen in einem Zeitraum; häufigere Lieferungen können den Bestand reduzieren, erhöhen aber die Zahl der Transporte, Be- und Entladungen sowie administrativen Tätigkeiten
Beschaffungszeit
der Zeitraum von der Bestellung bis zur Verfügbarkeit der Ware im Lager; er umfasst Vorbereitung, Produktion, Transport, Entladung und Wareneingang

Große und seltene Lieferungen können die Transportkosten je Einheit senken, erhöhen jedoch meist die Lagerkosten und das im Bestand gebundene Kapital. Kleine und häufige Lieferungen reduzieren den Bestand, erhöhen aber die Zahl der Transporte, Be- und Entladungen sowie administrativen Tätigkeiten. Das geeignete Modell sollte aus einer Analyse von Nachfrage, Lagerumschlag, verfügbarer Lagerfläche, Transportmöglichkeiten und Prozesskosten folgen.

Die Rolle des Lagers

Das Lager verbindet Anlieferungen, Produktion, Kommissionierung, Distribution und Retouren. Es ist nicht nur ein Ort zur Aufbewahrung von Waren, sondern beeinflusst den Fluss der gesamten Lieferkette unmittelbar.

Eine falsch vorbereitete Palette, ein fehlendes Etikett, eine falsche Stückzahl, fehlende Dokumente oder nicht rechtzeitig bereitgestellte Ware verursachen Standzeiten und zusätzliche Kosten.

In größeren Unternehmen unterstützen WMS-Systeme die Verwaltung von Lagerplätzen, Bestandsrotation, Kommissionierung und Bestandskontrolle.

Risiko und Versorgungssicherheit

Lieferketten sind Störungen ausgesetzt, etwa durch Verzögerungen bei Lieferanten, Fahrzeugausfälle, Lagerfehler, Fahrermangel, Wetter, Rechtsänderungen, Straßenkontrollen, Produktionsprobleme oder Zahlungsunfähigkeit eines Vertragspartners.

Risiken lassen sich nicht vollständig ausschließen. Ihre Folgen können aber durch Alternativen und eine frühzeitige Prüfung der Daten begrenzt werden.

Der größte Fehler besteht darin, erst nach Eintritt eines Problems zu reagieren. Das Management der Lieferkette erfordert, Risiken früh zu erkennen und Lösungen vorzubereiten, die ihre Folgen begrenzen.

Kennzahlen zur Leistungsbewertung

Lieferketten sollten messbar sein. Ohne Daten lässt sich kaum feststellen, ob ein Unternehmen einen Prozess tatsächlich verbessert oder Kosten nur von einem Bereich in einen anderen verlagert.

Kennzahlen sollten gemeinsam ausgewertet werden. Eine hohe Termintreue bedeutet nicht automatisch hohe Effizienz, wenn sie durch überhöhte Bestände oder teure Expressfahrten erreicht wurde.

Zusammenfassung

Eine Lieferkette ist ein Gesamtsystem aus Beschaffung, Lagerung, Transport, Information, Finanzierung und Kundenservice. Ihre Leistungsfähigkeit hängt nicht von einer einzelnen Entscheidung ab, sondern von der Abstimmung aller Schritte.

Transport sollte nicht nur anhand der Beförderungskosten bewertet werden, sondern auch anhand der Kosten für Lagerung, Wartezeiten, Verzögerungen, Reklamationen, Administration, Retouren und Bestandsführung. Erst diese Sicht ermöglicht die Beurteilung der tatsächlichen Effizienz einer logistischen Lösung.

Mariusz KulczykLogistikingenieur · Erstellt am: 5. Juli 2026
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